Schüleraustausch

Bericht über den Besuch an unserer Partnerschule „Liceum Ogolnoksztalace im. Generala Wladyslava Sikorskiego“ in Miedzyrzec Podlaski 24.09. bis 28.09. 2012
  
Am Montag, den 24.09. 2012 ging es für 16 Schülerinnen und Schüler und 2 Lehrerinnen unserer Schule auf zu unserer Partnerschule nach Miedzyrzec Podlaski. Dies war der erste Besuch einer Schülergruppe unserer Schule dort, nachdem wir im vergangenen Jahr unsere polnischen Partner hier begrüßen durften. Für fast alle unserer mitreisenden Schüler war es die erste Begegnung mit dem Nachbarland. Sie fragten sich, was sie in diesem Land erwarten würde, wie und unter welchen Bedingungen die Schüler an der Schule lernen und sie fragten sich natürlich auch, wie sie wohl mit den Jugendlichen in Kontakt kommen würden. Ziel dieser Reise war es, unseren Schülern das Kennenlernen des größten Nachbarlandes im Osten zu ermöglichen. Dabei standen persönliche Begegnungen, Einblicke in den Schulbetrieb und Alltag der polnischen Jugendlichen, die polnische Geschichte und das Gewinnen von Erfahrungen hinsichtlich anderer Lebensgewohnheiten und -umständen im Vordergrund.
 
Nach 13-stündiger Busreise kamen wir – zwar mit einiger Verspätung, aber – sehr gespannt in Miedzyrzec Podlaski an. Wir wurden von Schülern, Lehrern und der Schulleitung warmherzig und mit einem typisch polnischen – sehr üppigen und liebevoll zubereiteten Abendessen begrüßt. Schon während dieser Mahlzeit ergaben sich erste Gespräche zwischen den Gastgebern und unseren Schülern, wobei „mit Händen und Füßen“ Sprachbarrieren überwunden werden konnten. Unsere Gastgeber beantworteten alle bis dahin aufgetretenen Fragen. Es war ein wunderbarer Empfang, den viele von unseren Schülern in dieser liebevollen und offenen Art noch nie erlebt hatten. Satt und erschöpft bezogen wir unsere Unterkunft.
 
Alle sind schon vorbereitet, die Schule geschmückt und Infotafeln aufgehängt. Wir fühlen uns willkommen.

Der nächste Tag begann mit einem gemeinsamen Frühstück und einem kurzem Fußmarsch direkt zu unserer Partnerschule. Im Foyer der Schule erwartete uns ein Willkommensgruß in Form eines Aushangs, den die polnischen Schüler für uns vorbereitet hatten.
Der Schulleiter hieß uns noch einmal mit einer kleinen Ansprache, die von den beiden Deutschlehrern übersetzt wurde, willkommen und zeigte uns in einem Rundgang das Schulgebäude und erklärte einiges zum polnischen Schulsystem.  

Ein Tanz ist einstudiert.
 
 
Gemeinsamer Unterricht:
Englisch gelernt & in polnisch experimentiert

Anschließend nahmen wir an 2 Unterrichtsstunden teil. Schüler als auch Lehrer  wurden sowohl in den Chemieunterricht als auch in den Englischunterricht sofort integriert. Die Schüler der Partnerschule führten uns zunächst ein paar Versuche vor und dann konnten unsere Schüler sogar selbst experimentieren. Im Englisch-Unterricht konnten die Schüler direkt testen, wie sie sich mit den Schülern aus Polen verständigen können, auch wenn sie die polnische Sprache nicht beherrschen. Für die meisten unserer Schüler war es ein tolles Gefühl, die Fremdsprache anzuwenden, die sie schon seit Jahren lernen, aber selten anwenden können. Der Englisch-Lehrer hatte allen Schülern die Aufgabe gestellt, in kleinen Gruppen (jeweils 2 bis 3 Schüler) soviel wie möglich übereinander herauszufinden. Hier wurden weitere Kontakte geknüpft, die in der darauf folgenden Pause bei Tee und Keksen vertieft wurden. Hier fand interkulturelles Lernen statt, es ergaben sich Gelegenheiten zu authentische Lern- und Sprechsituationen, die meist in Englisch, aber manchmal auch ansatzweise in Deutsch oder Polnisch stattfanden.
 
Berliner Mauer. Gedenken an die Öffnung des "Eisernen Vorhangs".
Die polnischen Nachbarn haben Anteil auch an unserer Freiheit heute.

Nach einem gemeinsamen – typisch polnischen -   Mittagessen (Vorsuppe, Schnitzel, Kartoffeln, Krautsalat) zeigten uns unsere Gastgeber ihre Heimatstadt. Bei einem Rundgang mit der Geschichtslehrerin, ein paar Schülern und der Deutschlehrerin sahen wir uns alle wichtigen Plätze der Stadt an und erfuhren, wie ein Stück der Berliner Mauer nach Miedzyrzec Podlaski gekommen ist.
Am Nachmittag unternahmen polnische und deutsche Schüler einen Ausflug nach Kozlowka zum ehemaligen Palast der Familie Zamoyski, der mit seiner Ausstattung bis heute fast vollständig erhalten blieb.
Für den Abend hatten die polnischen Schüler eine Disco vorbereitet, die mit einer Vorführung einer Tanzgruppe unserer Partnerschule begann.
 
Der 3. Tag war der Hauptstadt-Tag. Direkt nach dem Frühstück fuhren wir – wieder gemeinsam in Begleitung von polnischen Jugendlichen und zwei Lehrern der Partnerschule – mit dem Bus nach Warschau. Dort besichtigten wir mit einer Stadtführerin die Altstadt und erfuhren sehr viel über die Geschichte Polens und seiner Hauptstadt. Nach dem Mittagessen fuhren wir zum Wissenschaftszentrum Kopernikus. Das ist ein riesiger Gebäudekomplex am westlichen Weichselufer, der der Förderung des Wissens gewidmet ist und erst 2010 eröffnet wurde. In kleinen gemischten Gruppen mit unseren Gastgebern führten wir dort selbständig Experimente durch, die die Grundgesetze der Naturwissenschaften erklären. Auch hier fand gelebte Partnerschaft statt, denn die Anleitungen zu den Experimenten waren nicht in deutscher Sprache zu finden. Geschichtlich und naturwissenschaftlich weitergebildet wurde der Tag mit einem Einkaufsbummel in den „Goldenen Terrassen“ – sehr zur Freude aller Mädchen - von Warschau abgerundet.
 
Der 4. Tag unseres Besuchs stand ganz im Zeichen der deutsch-polnischen Kultur. In der Schule bildeten sich kleine Arbeitsgruppen aus je 2-3 deutschen und polnischen Schülern. Sie hatten die Aufgabe, einen Bereich ihrer Kultur aus der Sicht beider Nationalitäten zu präsentieren. Schnell wurde deutlich, dass beide Seiten sehr gut miteinander auskommen und die „gleiche Wellenlänge“ haben. So stellten die Schülerinnen und Schüler beider Länder bei dieser Arbeit noch einmal explizit fest, dass polnische und deutsche Jugendliche ihre Nachmittage ziemlich ähnlich, wenn nicht sogar gleich, gestalten. Die Heranwachsenden beider Länder sind in Sportvereinen organisiert, treffen sich mit ihren Freunden, lesen, hören Musik, spielen Computer und sehen fern. In einer anderen Gruppe stellten sich die Schüler polnische und deutsche Musik und Musiker vor. Es entstanden verschiedene Plakate und Power Point-Präsentationen, die in einer Abschlussrunde im Plenum vorgestellt wurden. Der Bürgermeister der Stadt Miedzyrzec Podlaski, der Schulleiter unserer Partnerschule, die regionale Presse und ein Radiosender konnten während der Präsentation erleben, dass die Völkerverständigung unter den Jugendlichen in vorbildhafter Weise funktioniert.
Am frühen Nachmittag trafen wir mit dem Bus in Janów Podlaski auf dem weltberühmten Araber- Gestüt Janów Podlaski ein. Hier aßen wir gemeinsam Mittag und unsere Schülerinnen und Schüler lernten ein weiteres Nationalgericht – die Sauerbrotsuppe Zurek – kennen. Nach einem Rundgang über das Gestüt fuhren wir unser letztes Ausflugsziel an. In einer Freizeitanlage, die sich unmittelbar am Grenzfluss Bug zur weißrussischen Grenze befand, verbrachten die Schüler mit Bogenschießen, Reiten und einer Flussfahrt auf einem Schaufelraddampfer einen aktivitätsreichen Nachmittag. Dabei spielte auch Musik eine große Rolle. Die deutschen Schüler lernten ein polnisches Lied, das dann unser ständiger Begleiter war und im Gegenzug brachten die deutschen Jugendlichen den polnischen Schülern ein deutsches Kinderlied bei.  In der Zwischenzeit wurde ein Abendessen ganz besonderer Art zubereitet. Es war eine Art Feuertopf, der zum weiteren Garen in die Erde eingelassen wurde. Das Ergebnis war ein ausgesprochen leckeres Gericht, dem niemand widerstehen konnte. Satt und mit verschiedensten Eindrücken beladen ging es zurück zur Unterkunft und Abschiedsstimmung kam auf. Spontan entstand die Idee einer Abschlussdisco, die sehr großen
Anklang fand.
Die Jugendlichen verabschiedeten sich später herzlich mit der großen Hoffnung, sich bald wieder zu treffen, um an das Erlebte anzuknüpfen.
 
Am Freitagmorgen gab es zum Frühstück einen „großen Bahnhof“. Der Schulleiter, sein Stellvertreter und einige Kollegen ließen es sich nicht nehmen, uns persönlich zu verabschieden. Jeder unserer Schüler bedankte sich mit einigen persönlichen Worten und ausnahmslos alle Teilnehmer wären am liebsten noch eine Woche geblieben.
Unsere deutschen Jugendlichen waren besonders von der großen Herzlichkeit und der Offenheit der polnischen Gastgeber überwältigt.
 
unsere Schülergruppe vor der Partnerschule

Für die gestaltung spannungsfreier deutsch-polnischer Beziehungen ist der direkte Kontakt von Jugendlichen aus beiden Ländern enorm wichtig. Reisen bildet - auch unsere Vorurteile zurück! Die Begegnung mit den Jugendlichen unserer Partnerschule hat auf jeden Fall zur Erweiterung des Horizonts unserer Schüler beigetragen und wird sie noch lange davon berichten lassen. Wir freuen uns deshalb sehr auf die Fortsetzung unserer Partnerschaft im Juni 2013, wenn die polnischen Jugendlichen uns hier in Mühlenbeck besuchen.