Musical in Polen 2013

Musicalreise nach Miedzyrzec Podlaski (Polen)
vom 4.-8.12.
 
4.12. Die Reise beginnt. Wir nehmen unsere Technik und ein paar Requisiten mit. Im Gepäck sind auch Gastgeschenke, zum Beispiel Tassen mit dem Musical-Logo und ein paar weihnachtliche Süßigkeiten. An unserem Bus sehen wir die Aufschrift „Blues-Mobil“. Die Stimmung ist von der ersten Minute an sehr gut. Wir hören und singen die Lieder aus unserem letzten Musical. Außerdem hat Katja eine CD zusammen gestellt, für die jeder sein Lieblingslied abgegeben hat und wir raten gemeinsam, von wem das jeweilige Lied sein könnte. Alle sind gespannt darauf, was uns erwartet.
  
Ankunft im Hotel gegen 20 Uhr. Iwona Szaron und ein weiterer Kollege von der Partnerschule erwarten uns mit einem Abend-Imbiss. Nach einer Besprechung zum weiteren Ablauf der Tage in Miedzyrzec - Podlaski ziehen wir in unsere Zimmer ein. Es dauert eine Weile, bis jeder mit der Aufteilung zufrieden ist.
 
5.12. Zuerst machen wir einen Stadtrundgang. Einige Schülerinnen der 11. Klasse, in der Iwona unterrichtet, zeigen uns ihre Kirchen, den großen Platz und die Häuser der Stadt. Wir sehen uns auch ein Denkmal mit einem Stück der Berliner Mauer an, das von der Partnerschaft der Stadt mit dem Landkreis Oberhavel zeugt.
Wir sind entsetzt von den Taten der deutschen Faschisten, die die fast ausschließlich jüdische Bevölkerung der Stadt völlig vernichteten und es ist nach wie vor für uns unfassbar, dass so etwas geschehen konnte.
  
Der Schulleiter empfängt uns in der Bibliothek der Schule. Er begrüßt uns und erzählt uns einiges über seine Schule. Wir besichtigen viele Klassenräume, die Turnhalle, wo gerade ein großes Fußball-Turnier stattfindet, sehen auf dem Flur Schüler sitzen, die Kuchen verkaufen für eine Aktion, die immer am Nikolaustag stattfindet, wo man für eine arme Familie aus der Stadt Geld sammelt, mit dem man dann zum Beispiel eine Waschmaschine oder anderes kauft. Der Pfarrer, der in dieser Schule, die wie alle anderen stark katholisch ist, unterrichtet, winkt uns zu. Wir erfahren, dass ihn die Schüler besonders mögen, weil er immer fröhlich und gut gelaunt ist. Den starken Einfluss der Religion sieht man auch daran, dass in jedem Klassenraum ein Kreuz hängt. Für uns ist auch interessant zu erfahren, dass die Schüler der Klasse, die für einen Raum verantwortlich ist, sich die Farbe ihres Klassenraums aussuchen dürfen. Wenn eine neue Klasse nach drei Jahren kommt, kann sie den jeweiligen Raum dann so, wie er ist, übernehmen oder ihn mit einer anderen Farbe streichen, für die der Direktor die Farbe bestellt, wie er uns berichtet.
Stolz ist er auch von der technischen Ausrüstung der Schule. In jedem Raum ist Internet, gibt es Smartboards oder Beamer und seit einem Jahr sind auch die Noten jedes Schülers überall zu erfragen. Das elektronische Klassenbuch hat das alte aus Papier vollständig abgelöst. Die Lehrer tragen ihre Noten auf der entsprechenden Seite ein, Schüler und auch Eltern haben jederzeit Zugriff darauf, in den Schulräumen und auch zu Hause.
Die Klassenräume sind kleiner als bei uns und auch die Flure sehr schmal. Aber die Schüler sind sehr diszipliniert, sie sitzen oder stehen in den Pausen auf diesen engen Fluren mit ihren Heften und warten auf die nächste Stunde.
Nach dem Rundgang übergeben wir unsere Geschenke und unterhalten uns mit den anwesenden Lehrern in Deutsch und Englisch.
       
Dann geht es zum Kino, wo wir für unsere Vorstellung proben. Es ist sehr groß und es verschlägt uns fast den Atem, dass wir auf dieser Bühne unser Stück vorstellen können. Die Probe ist recht anstrengend, wir nutzen die Technik vor Ort und brauchten eigentlich mehr Zeit, um alles in Ruhe zu üben. Aber um 18 Uhr müssen wir raus. Feierabend für den Mitarbeiter des Hauses, dessen Bühne zwar restauriert wurde, das aber eventuell abgerissen wird, weil die Leute nicht ins Kino gehen und die Stadt zu wenig Geld für die weitere Rekonstruktion hat. Wir sind schon jetzt traurig darüber. Für uns ist es das schönste Theater, das wir je hatten.
 
6.12. Der Nikolaus war da und hat allen etwas in die Schuhe gesteckt.
 
Um 11 Uhr ist der Auftritt im Kino. Langsam füllt sich der Raum mit vielen Schülern und Lehrern, die wir zum Teil schon am Tag zuvor getroffen haben. Ein Radiosender interviewt mich kurz. Dann geht es los. Alle machen ihre Sache gut und die Stimmung ist fröhlich, obwohl die polnischen Schüler nicht alles verstehen. Aber die Lieder singen wir ja in Englisch und zu jedem Lied gibt es einen Tanz, sodass es viel zu sehen gibt.
Viel zu schnell ist alles vorbei und wir machen noch ein Foto von unserer Gruppe vor dem Zuschauerraum. Jan hatte die Idee, er meinte, so machen es die Stars, die sich vor ihrem Publikum fotografieren lassen. Der Direktor übergibt mir einen riesigen Strauß Rosen. Dann heißt es für uns, schnell alles abbauen und zurück ins Hotel. Dort wird zwei Stunden später die zweite Vorstellung für das Lehrerkollegium und Vertreter der Stadt stattfinden mit anschließendem Integrationstreffen.
 
Wieder müssen wir schnell aufbauen, eine Kulisse improvisieren. Diesmal arbeiten wir mit unserer Technik.
Auch diese Vorstellung ist sehr erfolgreich.
Im Anschluss daran erhält jeder Mitwirkende eine Tüte mit Geschenken und zu unserer großen Überraschung wird ein Tisch in den Raum gefahren, auf dem ein großer Kuchen mit Wunderkerzen funkelt, auf dem die Fahnen unserer beiden Länder zu sehen sind.
 
Der Direktor lädt uns zu einem Bankett mit erlesenen Speisen in mehreren Gängen ein. Wieder wechseln wir Worte, Reden vom Schulleiter und anderer Vertreter der Stadt. Ich bedanke mich für alles und berichte, wie die Idee, die wir damals nach dem Besuch der polnischen Delegation in Mühlenbeck, die so stimmungsvoll unsere Aufführung verfolgt hatte, entwickelten, nach Polen zu einem Gastspiel zu fahren. Wie Frau Haase, unsere Schulleiterin uns dabei unterstützte und wie wir die ersten Tage in Polen empfunden haben.
Anschließend singen wir gemeinsam Karaoke, polnische Lieder und alle machen mit. Die Lehrerinnen und Lehrer feiern ausgelassen mit uns und vor allem die älteren Mitglieder unserer Gruppe fragen viel und berichten auch von ihrem Leben. Die jüngeren Schüler schließen Freundschaft mit den polnischen Mädchen, die uns bereits am Tag vorher die Stadt gezeigt hatten.
 
7.12. Wir fahren mit vier polnischen Lehrern nach Warschau. Gebucht haben wir eine Stadtrundfahrt und eine deutsche Stadtführung. Bei eisigem Wetter erkunden wir die wichtigsten Straßen und Stadtteile. Unsere Stadtführerin zeigt uns die Stelle, wo das Warschauer Ghetto war. Dort steigen wir aus und nehmen ein Foto vor dem Denkmal auf, wo Willy Brandt seinen historischen Kniefall gemacht hat. Dahinter ist das jüdische Museum, ganz aus Glas. Leider haben wir keine Zeit, es zu besichtigen, aber einige wollen das bei der nächsten Gelegenheit nachholen.
 
Wir sehen die größte Straße Warschaus, die Krakowska, die gerade weihnachtlich geschmückt wird. Der Schmuck ist sehr individuell und gefällt uns sehr. Auch das Chopin-Denkmal im winterlichen Park sehen wir uns kurz an. Iwona zeigt uns eine der 20 Musikbänke, die es in der Stadt gibt. Wenn man auf einem Knopf drückt, kann man eine Klaviersonate von Chopin hören. Wir sind begeistert.
Am Kulturpalast im russischen Stil, der abends bunt angestrahlt wird, endet unsere Stadtbegehung und wir stürzen uns in einem Einkaufstempel aus Glas, der weihnachtlich geschmückt zum Ausgeben der letzten Slotys einlädt. Jeder kommt mit einem Erinnerungsstück zurück. (Nicht ganz, denn fast alles hätte man auch bei uns kaufen können, denn die Geschäfte dort sind die gleichen wie bei uns)
Am Abend nach dem Essen sitzen wir so lange zusammen, bis der Kellner das Licht ausschaltet. Wir spielen Frage- Antwortspiele und ich mache die bei uns immer sehr beliebte Lobrunde und sage jedem etwas Gutes zu seinem Auftritt und dem Aufenthalt in Polen.
 
8.12. Leider müssen wir zurück. Eigentlich wollen alle bleiben. Schulleiter und Stellvertreter, Iwona und Magdalena, unsere beiden eifrigsten Begleiterinnen kommen zur Verabschiedung. Wieder werden Fotos gemacht. Für die Stimmung im Bus sorgt unser Busfahrer, der Vater von Ricarda und Jan. Auch meine Gitarre und die Liederbücher, die ich dabei habe, kommen zum Einsatz.
Am Abend wird die Facebook-Seite unserer Gruppe mit vielen Bemerkungen gefüllt. Auch polnische Freunde haben wir inzwischen, die unsere Seite ansehen.
Die Reise war ein voller Erfolg und hat die Freundschaft zwischen den Menschen beider Länder auf besondere Weise gefördert.
Katrin Schrader (Leiterin der Gruppe)


weitere Fotos